Montag, 19. Februar 2018

…intime Handlung zwischen Körper, Geist und…

Sie trat hinaus auf die kleine Lichtung und blieb staunend stehen.
Etwas Vergleichbares hatte sie noch nie gesehen. Nano tanzte einen so herrlichen wie barbarischen Tanz. Herrlich, weil er sich so geschmeidig bewegte, so langsam und überlegt. Barbarisch, weil gerade die Langsamkeit seiner Bewegungen mit der schweren Waffe einmal mehr zeigte, wie vollkommen seine Körperbeherrschung war.
Nach einer Weile hielt er inne und blieb mit dem Rücken zu ihr stehen. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn ihn niemand beobachtet hätte. Sein langsames Fechten war eine intime Handlung zwischen Körper, Geist und Schwert; da sollte keiner zuschauen. Aber da sie ihn nun mal aufgestöbert hatte, sagte er schwer atmend und ohne sich zu ihr umzudrehen: „Du kannst ruhig näher kommen.“
Gesine klatschte begeistert in die Hände, aber weil es ein zu lautes Geräusch für diese Lichtung war, hörte sie wieder damit auf. „Es war sehr schön“, sagte sie dann.
„Schön, wenn es dir gefallen hat“ Noch immer außer Atem kam er nun auf sie zu. „Was machst du hier? Warum bist du nicht bei den anderen im „Roten Baum“?“
„Ach…“, sie seufzte. Am liebsten hätte sie ihn in den Arm genommen, ganz fest, und ihn nie wieder losgelassen; ihn, der so viel für sie getan hatte, früher, immer. Stets war er für sie da gewesen, schon lange, bevor Gereon ins Dorf gekommen war. Aber sie fürchtete, dass er das erst recht verkehrt auffassen könnte. Doch weil sie immer (und über alles) mit ihm hatte reden können, erklärte sie ihm den inneren Widerspruch.
Nano nickte und nahm sie seinerseits wortlos in den Arm. Ganz lange hielt er sie fest, und sie schmiegte sich trotz seiner von Schweiß nassen Brust an ihn. Er führte sie zum Stamm einer alten, vor kurzem umgestürzten Buche, die auf der Lichtung lag. Der Mond schien auf die silbergraue, glatte Rinde und ließ den Baum so frisch aussehen als lebe er fort.

Donnerstag, 8. Februar 2018

alle krank, und ich?

Tine war krank, bei Veronika die ganze Familie -- wenn ich das lese, fällt mir auf einmal auf, dass ich ja gar nicht krank war (wobei ich im letzten halben Jahr auch genug krank fürs restliche Leben gewesen bin, find ich!).
Ich bin gerannt.
Also nicht wirklich gerannt, aber ich hab mich sehr viel bewegt. Und dabei Arbeitsklamotten getragen mit Erde dran.
Die Arbeit in der Gärtnerei hat wieder angefangen und derzeit läuft die Saisonvorbereitung. Gewächshäuser ordnen, überall putzen und fegen und Spinnenweben entfernen, denn junge Pflänzchen sind empfindlich wie neue Babys. Die wollen es bitteschön sauber haben.
Übrigens jammern die Kranken darüber, dass der Winter so finster sei und so lang und überhaupt. Auch das fiel mir gerade auf: mein Winter ist alles andere als finster. Die Sonne scheint (auch wenn sie erst kurz vor neun über den Hügel gekrochen kommt und danach nur im Farbton neapelgelb vom Himmel blickt), und selbst wenn Wolken zwischen uns sind, ist es hell. Viel zu hell für eine Winterdepression.

Samstags mach ich dann nicht viel anderes, nur ohne Chef. Ich schreddere, was Friederike runtergeschmissen hat und verteile es auf meine Gartenpfade, ich weine über die Schäden, die sie an meinem Gewächshäuschen hinterlassen hat und freue mich auf die nächsten Gartenwochen und -monate. Am 2.2. habe ich Paprika gesät (in der Küche auf der Fensterbank, die sehen nichts vom Winter!) und mich gegen Tomaten entschieden. Und natürlich, ich konnte ja nicht anders, endlich noch mal eine Helleborus gekauft. Sie hieß "Frühlingsrose" in dem Geschäft. Weder Frühling noch Rose, aber nu gut. Irgendwie muss dem Kunden ja klar gemacht werden, dass er sowas braucht. Bei mir hats geklappt. Sie wird unter der Blutpflaume stehen und es gut haben.
Ich möchte übrigens ein neues altes Gewächshaus haben, mit noch klaren Doppelstegplatten und im gleichen kleinen Format. Wenn es das erfordert, werde ich ihm ein Fundament betonieren.
Falls du sowas abzugeben hast, danke ich für jeden Hinweis.

Samstag, 27. Januar 2018

Zwischen Herbst und Frühling

Dieses schöne wunderschöne Foto ist mir heute im Garten geglückt. Das Jahr ist noch sehr jung, aber es hat schon jetzt große Chancen auf den Titel "Foto des Jahres".
Den Stein habe ich von irgendeinem fernen Urlaub an der Ostsee mitgebracht, es ist ziemlich unhandliches und unregelmäßiges Ding, aber ich dachte, bis ich einen hübschen kleinen Stein mit Loch gefunden habe, behalte ich diesen.
Als ich Anfang November die ganzen Blumenzwiebeln in die Erde gebracht hatte, hatte ich offensichtlich wie ein anständiges Eichhörnchen gleich darauf vergessen, wo ich sie verteilt hatte. Sonst hätte ich ja keinen Stein auf sie gelegt! Meine Güte, wer tut denn sowas?
Sei beruhigt, nach dem Fototermin habe ich die Last von ihnen genommen. Noch ein bisschen blass, aber glücklich und frei stehen sie nun in ihrem Pflanzring.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Bratwurstfantasie

Ich hab das Gefühl, mein Stoffwechsel arbeite nicht richtig und habe deshalb Rezepte für zwei Zündertage rausgesucht und werde danach wieder mal meine Ernährung umstellen.
Prompt seh ich nur noch essende Menschen und mir schweben, ähnlich wie damals Petrus auf dem Dach, gedankliche Bratwürste mit höchst realem Geschmackserlebnis vor.
Typisch. Sonst habe ich nie nach zehn abends Bratwurstfantasien, aber heute, da es keine gibt, fliegen sie besonders schön.
Neinnein, sonst gibt es nach zehn auch keine. Aber sonst fantasiert es auch nicht so duftig.

Montag, 22. Januar 2018

vitaminreiche dicke Füße

Wir sitzen in kleiner Runde beisammen und schälen Apfelsinen zum darauf folgenden Verzehr.
Ich bin da sehr gründlich, denn ich habe gelernt: Das weiße an den Apfelsinen macht dicke Füße! Ich weiß nicht mehr, von wem ich das gelernt habe. Fakt ist jedoch: Das wussten wir damals alle. Und weil keins von uns Kindern dicke Füße bekommen wollte, haben wir die Mandarinen und Apfelsinen gründlich geschält.

U. erzählt, dass sie gelernt hat, in dem weißen Zeug seien besonders viele Vitamine, deswegen hätte ihre Mutter die Anweisung erteilt, es mitzuessen.

Hm. Das kann ja nicht beides zugleich stimmen.
Wollte die Mutter womöglich bloß verhindern, dass Apfelsinenschälen so eine unendliche Geschichte wird wie bei anderen Kindern (solchen wie mir)?

Ich bleibe weiter gründlich. Vorsichtshalber. Ich kann ja, um den möglichen Vitaminverlust auszugleichen, zwei Stück essen.